Paul Celan (1920 - 1970)



Im Jahre 2001 erschienen viele Artikel über Paul Celan in der deutschen und französischen Presse, weil sein Briefwechsel mit seiner Frau Gisèle Celan-Lestrange und seinem Sohn Eric veröffentlicht wurde.
Der Spiegel (Nr. 14/2001) schreibt : " Nun bietet eine monumentale Ausgabe der Briefe, die Celan an Frau und Sohn schrieb, Einblick in das Seelenleben des Autors der " Todesfuge " ".
Hier sollen nur ein paar kurze biographische Notizen gegeben werden, die einerseits notwendig sind, um seine Gedichte, im besonderen die " Todesfuge ", zu verstehen, die sich aber auf Celans Pariser Zeit beschränken.
Paul Celan hiess ursprünglich Paul Antschel (Celan ist ein Anagramm) und wurde 1920 in Czernowitz, der Hauptstadt der Bukowina, geboren, die damals eine Provinz der früheren österreichisch-ungarischen Monarchie war. Ab 1918 gehörte sie zu Rumänien und heute liegt Czernowitz in der Ukraine.
Paul Celan entstammte einer deutschsprachigen, jüdischen Familie. Mit 18 Jahren kam er nach Frankreich, um Medizin zu studieren, weil Juden in Rumänien schon Universitätsverbot hatten. Der Beginn des zweiten Weltkriegs machte seine Rückkehr nach Frankreich, er verbrachte den Sommer 1939 in Czernowitz, unmöglich. Die Zeit zwischen 1942 und 1944 erlebte er in einem Arbeitslager. Seine Eltern kamen in einem Konzentrationslager um. Dieser Zeitabschnitt prägte sein Seelenleben für immer. Die Wurzeln für seine psychopathischen Krankheitserscheinungen, seine Paranoia, seine Agressionen und sein Trauma lagen in dieser Zeit.
Er überlebte den Krieg und emigrierte aus dem kommunistischen Rumänien über Wien nach Paris. Seine in Wien begonnene Freundschqft mit Ingeborg Bachmann erstreckt sich über viele Jahre.

1948 nahm Celan die französische Staatsbürgerschaft an und liess sich in der Rue des Ecoles nieder. Dort wohnte er bis 1953. Er erwarb seine Lizenz in Gemanistik und unterrichtete als Lehrer in der E.N.S. Rue d'Ulm. 1951 lernte er seine Frau Gisèle de Lestrange kennen, die er 1952 heiratete. 1955 wurde sein Sohn Eric geboren (Eric ist eine Anagramm von " écri "). Die Familie Celan wechselte mehrere Male ihren Wohnsitz in Paris.
Celans psychischer Gesundheitszustand verschlechterte sich zunehmend, er fühlte sich von seinen Kollegen unverstanden, in Wahnanfällen wurde er gefährlich, bedrohte seine Frau und musste immer öfter in psychiatrische Behandlung.
Im April 1970 stürzte er sich vom Pont Mirabeau in die Seine. Seine Leiche wurde in einem Seinefilter in Courbevoie gefunden. In seinem Kalender trug er am 19. April " Départ Paul " ein, es war also ein geplanter Tod.
Seinen Selbstmord deutete er vielleicht schon acht Jahre vorher in seinem Gedicht die " Niemandsrose " an.

" Von der Brückenquader,
von der er ins Leben hinüberprallte,
flügge von Wunden,
- vom Pont Mirabeau. "

Paul Celan ist auf dem Friedhof von Thiais bei Paris begraben.

***

Paul Celans Gedichte

Paul Celan gilt in der deutschen Literatur als der Meister der hermetischen Lyrik, einer Lyrik voll von Metaphern und Symbolen, die sich einer Interpretation immer wieder entzieht.
Trotz dieser Rätselhaftig- und Bildhaftigkeit gehen seine Gedichte auf biographische Tatsachen zurück. Das ist seit der " Todesfuge ", die 1945 entstanden ist, in allen seinen Werken zu spüren. Das Erlebnis des des 2. Weltkriegs, die Vernichtung seiner Eltern und der Juden, seine Zeit im Arbeitslager hinterliessen unauslöschliche Spuren in seiner Dichtung.
Die Todesfuge ist ein faszinierendes Gedicht, weil es entsetzliche Bilder wiedergibt, die eine Eindringlichkeit und Faszinationausstrahlen, der man sich nicht entziehen kann. Zugleich sind diese Sprachbilder wunderschön, wiederholen sich wie in einer musikalischen Komposition. Adornos Ausspruch : " Nach Auschwith kann man keine Gedichte mehr schreiben " wird von Paul Celan widerlegt. Auch die schrecklichsten Ereignisse können in poetischer Sprache in aller Eindringlichkeit erfasst werden.




Zurück zur Autorenauswahl