Joseph Roth



Biographie :

Am 2. September wird Joseph Roth als Sohn des jüdischen Getreideeinkäufers und Holzhändlers Nachum Roth und dessen Frau Maria (geb. Grübel) im galizischen Brody (heute: Ukraine) geboren. Sein Vater kehrt noch vor der Geburt seines Sohnes nicht von einer Geschäftsreise zurück, Roth wächst bei seiner Mutter und seinem Großvater auf.
Nach dem Gymnasium (1913) studiert Joseph in Lamber und später in Wien Germanistik und Philosophie. 1916 meldet sich Roth freiwillig bei der Armee und nimmt am krieg teil. Nach Kriegsende wird er in Wien als Journalist tätig und reisste oft nach Berlin und arbeitet weiterhin journalistisch bei verschiedenen Zeitschriften und Zeitungen (1920-1922).
5. März 1922 heiratet Roth Friederike Reichler in Wien und beginnt als Mitarbeiter bei der SPD. 1923 bis 1926 reisst Roth für die "Frankfurter Zeitung" nach Prag, Paris und Russland. Schon in seinem ersten Roman "Das Spinnennetz" (es erscheint als Feueton in der Wiener Arbeiterzeitung) schildert Roth die Machenschaften und Machtkämpfe zwischen den faschistischen Organisationen in München kurz vor dem Putschversuch von Hitler und Ludendorff..
1927 veröffentlicht Roth Reisereportagen über seine Aufenthalte in Italien, Albanien und Polen. Die Erzählung "Die Flucht ohne Ende. Ein Bericht" erscheint. Der Essay "Juden auf Wanderschaft" schildert Roth die Lebensverhältnisse der Juden in den "westlichen Gettos" in Wien, in der Udssr, in Paris ...
1928 erkrankt Roths Frau an Schizophrenie und wird in eine Anstalt eingewiesen. Eine Freundschaft mit Stefan Zweig beginnt .
1930 veröffentlicht Roth sein erfolgreichstes Buch "Hiob. Roman eines einfachen Mannes", dass von dem Juden Mendel Singer handelt der auf der Suche nach Gott ist.
1932 erscheint sein Meisterwerk "Radetzkymarsch". Es erzählt anhand der Familiengeschichte der Trottas den Untergang des habsburgischen Reichs.
1933 im Januar: Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme emigriert Roth nach Paris in die Strasse Tournom.Während der Zeit des NS-Regims wird ein großer Teil seiner Familie in Konzentrationslagern umgebracht.
1934 Roman “Der Antichrist” schildert J.R seinen ganzen Hass gegen Hitler. Während dieser Zeit in Südfrankreich und Paris erscheint "Im Bistro nach Mitternacht", ein Lesebuch in dem man durch Roth Frankreich entdeckt.
1939 Die Erzählung "Die Legende vom heiligen Trinker" erscheint. Roth selbst war im Exil zum Trinker geworden.
23. Mai: bricht Roth zusammen als er die Nachricht vom Selbstmord Ernst Tollers(Dramatiker der für den Pazifismus militiert hat) erfährt .
27. Mai: Joseph Roth stirbt im Alter von 45 Jahren, von persönlichen Schicksalsschlägen und lebenslangem starkem Alkoholkonsum gezeichnet, in einem Pariser Armenhospital


Die Legende des heiligen Trinker, Zusammenfassung

Die Erzählung "Die Legende des heiligen Trinker" (1939) handelt von einem obdachlosen Alkoholiker Andreas, einem mit Zuchthaus bestraften Mörder, der als Clochard unter einer Pariser Brücke lebt.
Eines Tages taucht ein Herr auf, der die Heilige Therese von Lisieux verehrt und deshalb das Leben der Ärmsten leben will. Er schenkt Andreas 200 Fr. Bisher hat Andreas nur von Zufällen gelebt und das wenige Geld in der "Rue des Quatre Vents" für billige Getränke ausgegeben. Andreas ist fest entschlossen, dieses Geld in der Kapelle der St. Marie des Batignoles, wo sich eine kleine Statue der heiligen Thérèse befindet, einem Priester zurückzugeben. Dieses Geld verändert Andreas Leben radikal. Er nimmt wieder am normalen Leben teil und entfernt sich von seinem Platz unter der Seine-Brücke. Immer wieder kommt er zufällig an Geld. Andreas hält diese Zufälle für Wunder. Wenn er kein Geld mehr hat, kehrt er unter die Brücke zurück. Entweder findet er dann Geld, man schenkt ihm Geld oder er findet eine Gelegenheitsarbeit.
Er begibt sich an verschiedene Orte in Paris und Umgebung. Dabei fällt auf, dass die Stadtviertel immer nobler und teurer werden: von der Seinebrücke und der Rue des Quatre Vents (die sich in der Nähe von Odeon befindet) in eine Nachtbar in Montmartre. Mal fährt er raus aus Paris in ein Restaurant, dann geht er ins Opernviertel zur Oper und später an die Champs Elysées und nach Fontainebleau in eine gutes Restaurant. Drei Sonntage hintereinander begibt er sich in das Café neben der Kapelle, wo er ordentlich trinkt und auf das Ende des Gottesdienstes wartet, um seine Schulden der heiligen Therese zurückzuzahlen doch immer kommt im letzten Moment etwas dazwischen.
Am 4. Sonnatg trifft er in diesem Café ein junges Mädchen Thérèse. Er hält sie für die heilige Thérèse und will ihr die 200 Fr. geben. Sie lehnt das Geld aber ab und will ihm 100 Fr. schenken. In diesem Moment fällt er um und wird in die Kapelle getragen und stirbt dort.

Joseph Roth nannte diese letzte Erzählung "Mein Testament". Er hat sich stark mit diesem Clochard Anderas identifiziert. Er selbst war ja ein Alkoholiker und ist kurz nach diesem Werk mit nur 45 Jahren gestorben.

Der Erzählstil ist einfach, von Zeit zu Zeit ändern sich die zeitlichen Erzählebenen, so erfährt der Leser etwas über Andreas' früheres Leben.




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