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Die Viertklässler Anne-Sophie Bacouel, Lucas Ribes, Maximilien Fontaine und Cosme de Cosnac haben mit Herrn Kremeyer ein Interview für die Klassenzeitungen durchgeführt. Ihre Fragen sind fett gedruckt und die Antworten von Herrn Kremeyer folgen in normaler Schrift. Viel Vergnügen beim Lesen!
 Guten Tag Herr Kremeyer, seit wann sind sie eigentlich schon Schulleiter? Seit drei Jahren.
Waren sie in Deutschland bereits Rektor? In Deutschland war ich Koordinator für die Mittelstufe an einem Gymnasium in Hamburg. Koordinator für die Mittelstufe, das heißt, dass ich mich zu kümmern hatte um den Wahl- und Wahlpflichtunterricht der Kinder, um die Gestaltung der Zeugniskonferenzen, um den Kontakt zu den Eltern, um pädagogische Probleme und andere Dinge mehr.
Weshalb sind sie ans Lycée gekommen? Ans Lycée bin ich gekommen, weil ich mir dachte, eine Abwechslung in meinem beruflichen Leben wäre sehr interessant. Ans Lycée bin ich auch deshalb gekommen, weil ich dachte, wenn ich einmal in meinem Leben in Frankreich arbeiten könnte, wäre das eine wunderbare Sache, weil ich Frankreich liebe, weil ich die Sprache auch ganz gut spreche und weil ich Interesse an einer neuen Aufgabe hatte. Ich wollte auch gern einmal andere Schüler kennen lernen als die, die ich in Deutschland bis dahin kennen gelernt hatte.
Was müssen sie als Abteilungsleiter alles tun? Eine ganze Menge, Anne-Sophie. Im Moment bin ich gerade damit beschäftigt, für eine Schülerin, die vor zwei Jahren das Abitur gemacht hat, eine Bescheinigung zu schreiben, wie gut ihr Englisch war, wie gut ihr Spanisch war damit sie in Deutschland an einer deutschen Universität aufgenommen werden kann. Aber das ist eine ganz zufällige Sache, die ich gerade im Moment macht. Im übrigen bin ich gerade damit beschäftigt, die Aufteilung der Grundschulklassen nach verschiedenen sprachlichen Anforderungsniveaus vorzunehmen. Dazu unterhalte ich mich sehr lange und ausführlich mit den Grundschullehrern. Dann werden übermorgen hier die Abiturprüfungen stattfinden. Da werde ich der Vorsitzende sein und darauf achten, dass die Prüfung korrekt abläuft und dass die Kinder ihren Möglichkeiten aber auch dem Programm entsprechend geprüft werden. Ich muss darüber hinaus auch den Kontakt zu den anderen deutschen Einrichtungen im Pariser Großraum halten, also zur deutschen Schule oder zur deutschen Botschaft und habe noch viele, viele andere Sachen mehr zu tun. Wenn ich darüber sprechen würde, würden wir hier ungefähr eine halbe Stunde zusammen sitzen.
Was gefällt ihnen hier an der Arbeit? Mir gefällt an der Arbeit, dass sie so abwechslungsreich ist, dass jeder Tag anders verläuft, als ich ihn mir am Morgen gedacht habe, Manchmal erkläre ich das Gästen, die ich hier habe, indem ich sage: „Ich fange morgens an, eine e-Mail zu schreiben, die ich dringend schreiben muss und abends komme ich dazu, sie endlich zu beenden.“ Und zwischendurch kommen immer wieder andere Sachen. Jemand klopft an der Tür, jemand telefoniert, möchte etwas von mir, möchte seine Kinder einschreiben. Das habe ich eben übrigens vergessen, das ist eigentlich der wichtigste Teil meiner Arbeit, dass ich Kinder in die Deutsche Abteilung aufnehme und gucke, ob sie geeignet sind – und auch gucke, ob die Abteilung für die Kinder geeignet ist. Der große Abwechslungsreichtum meiner Arbeit ist es, der mir viel Freude macht. Ich habe es mit interessanten Schülern zu tun, mit interessanten Kollegen, ich kann beide Sprachen sprechen, die man hier am Lycée spricht, das macht mir auch Freude, hin und her zu springen zwischen den beiden Sprachen. Und daneben gebe ich auch noch ein bisschen Unterricht.
Ist der Beruf anstrengend? Ja.
Wie viele Kinder gehen in diese Schule? Kennen Sie alle Kinder? Also in der deutschen Abteilung gibt es ungefähr 650 Schülerinnen und Schüler, von der Maternelle bis zur Terminale. 650, das ist ja eine ganze Menge, allerdings muss man wissen, dass sie ja in der deutschen Abteilung nur Unterricht in Deutsch und Geschichte bekommen, ab dem Collège. Das war die erste Frage, die zweite Frage war, ob ich sie alle kenne? Nein – alle kenne ich sie nicht, aber ich lerne sie immer besser kennen durch die verschiedenen Begegnungen. Natürlich gibt es gelegentlich auch Probleme oder sehr, sehr erfreuliche Ereignisse, Gespräche mit den Eltern, Gespräche mit den Kindern, Zeugniskonferenzen. Bei solchen Gelegenheiten lernt man allmählich seine Schüler kennen. Und das macht viel Spaß! Und das Schönste für mich ist, wenn ich mir das vorstelle, dass die erste Gruppe der Schüler, die ich selber unterrichtet habe, dann Abitur macht. Aber darauf muss ich noch ein bisschen warten. Das ist die jetzige Seconde, die machen ein Baccalauréat und ein Sprachdiplom, und die jetzige Troisième macht ein OIB.
Was ist ein OIB? Ein OIB ist ein deutsches und ein französisches Abitur, es bedeutet „option internationale du baccalauréat“.
Wie viele Lehrer unterrichten an dieser Schule? An dieser Schule dürften das sicher über 300 sein, das kann ich gar nicht genau beziffern. Und in der deutschen Abteilung unterrichten 15 Lehrer.
Was sind Ihre Hobbies? Platz eins: Musik, klassische Musik und Jazz. Platz zwei: Lesen, im Moment überwiegend Zeitung lesen, weil ich nicht die Ruhe habe ein Buch aufzuschlagen und dann zwei Stunden dabei zu bleiben, das schaffe ich nur in den langen Ferien. Dann allerdings mit großem Vergnügen. Platz drei: kulturelle Veranstaltungen, Malerei, Plastik, Musik, Ausstellungen jeder Art hier im Pariser Großraum.
Haben Sie Kinder? Ich habe eine Tochter, sie heißt Nina und ist 23 Jahre alt. Sie studiert bereits, sie hat einen ganz kleinen Vorsprung vor euch. Aber nur einen ganz kleinen.
Hatten sie als Schüler damals eigentlich gute Noten? Ich hatte sehr gemischte Noten. Ich hatte Stärken in den sprachlichen Fächern und ich hatte Schwächen in den mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern. Mehr möchte ich nicht in die Einzelheiten gehen.
Welches waren ihre Lieblingsfächer? Deutsch, Französisch und Musik. Englisch mochte ich auch sehr gerne. Ich bin schon damals viel in Europa herumgereist und das hat mir eine große Freude gemacht. Ich habe in französischen und englischen Familien Aufenthalte erlebt, die mir sehr gefallen haben.
Und welches Fach mochten sie gar nicht? Griechisch
Was sind, seit ihrer Kindheit, Ihre besten Erinnerungen und was Ihre schlechtesten? Die beste Erinnerung von meiner Kindheit bis heute? Oh, da würde ich bestimmt sagen, dass das die Geburt meiner Tochter ist. Das war 1984, das ist die beste Erinnerung von meiner Kindheit bis heute. Aber wir können natürlich auch über Erinnerungen in den letzten drei Jahren sprechen. Ein Höhepunkt für mich war ganz sicher der Geburtstag der deutschen Abteilung, als der Botschafter hier zu Gast war, als alle bisherigen Abteilungsleiter hier zu Gast waren, als der erste Proviseur des Lycées hier zu Gast war. Das war schon ein Höhepunkt in meiner bisherigen Tätigkeit.
Vielen Dank für das Gespräch.
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